Grundlagen und Orientierung

1-Euro-Haus:
So funktioniert das Modell

Der Kaufpreis von einem Euro für das Haus mit Grundstück ist real. Das gesamte Hausprojekt kostet jedoch erheblich mehr. Wir erklären, warum Gemeinden solche Gebäude anbieten, wie der Erwerb ablaufen kann und worauf Interessenten vor einer Bewerbung achten sollten.

Das Wichtigste auf einen Blick

Symbolischer Kaufpreis

Der niedrige Preis soll einem leerstehenden Gebäude eine neue Perspektive eröffnen.

Sanierung erforderlich

Die Häuser sind nicht sofort beziehbar und müssen umfangreich saniert werden.

Gemeinde entscheidet

Voraussetzungen, Auswahl, Vertragsbedingungen und Fristen werden für jedes Projekt festgelegt.

Gesamtbudget zählt

Planung, Kaufnebenkosten, Sanierung und eine ausreichende Reserve müssen finanzierbar sein.

Ein niedriger Kaufpreis gegen langfristigen Leerstand

Als 1-Euro-Haus wird ein Gebäude bezeichnet, das zu einem symbolischen Kaufpreis von einem Euro angeboten wird. Hinter diesem Preis steht nicht die Vorstellung eines nahezu kostenlosen Eigenheims. Vielmehr suchen Gemeinden oder andere öffentliche Eigentümer nach Menschen, die bereit und wirtschaftlich in der Lage sind, ein leerstehendes Haus zu sanieren und wieder dauerhaft zu nutzen.

Leerstand kann das Ortsbild beeinträchtigen, benachbarte Gebäude belasten und für eine Gemeinde langfristig erhebliche Probleme verursachen. Eine neue Nutzung kann dagegen vorhandene Bausubstanz erhalten, einen Ortskern stärken und neuen Wohn- oder Arbeitsraum schaffen. Ob das gelingt, hängt nicht vom symbolischen Kaufpreis, sondern von einem tragfähigen Konzept und seiner tatsächlichen Umsetzung ab.

In Italien bekannt geworden – in Deutschland nun auch angekommen

International bekannt wurde die Idee vor allem durch italienische Gemeinden, die leerstehende oder stark sanierungsbedürftige Häuser für einen symbolischen Euro angeboten haben. Im Mittelpunkt stehen dort ebenfalls die Wiederbelebung kleiner Orte und der Erhalt alter Gebäude.

Die Grundidee lässt sich übertragen, die konkreten Verfahren jedoch nicht. In Deutschland gelten deutsches Kauf-, Bau- und Steuerrecht sowie die Vorgaben der jeweiligen Kommune. Auch innerhalb eines Landes unterscheiden sich Bewerbung, Sicherheiten, Fristen und Nutzungspflichten von Gemeinde zu Gemeinde.

Italien ist bis heute das Land, das am stärksten mit dem Begriff „1-Euro-Haus“ verbunden wird. Gemeinden auf Sizilien, Sardinien und in weiteren Regionen haben mit unterschiedlichen Verfahren versucht, leerstehende Gebäude wieder einer Nutzung zuzuführen und historische Ortskerne zu beleben. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein einheitliches italienisches Förder- oder Verkaufsprogramm. Kaufpreis, Auswahlverfahren, Sanierungsfristen, Sicherheiten und Nutzungsmöglichkeiten können sich von Ort zu Ort erheblich unterscheiden.

Allgemeine Einordnung der Modelle in Italien und Deutschland
Thema Italien Deutschland
Bekanntheit Das Modell wurde durch italienische Dörfer und internationale Medienberichte weltweit bekannt. In Deutschland ist das Modell bislang deutlich weniger verbreitet und wird nur vereinzelt von Gemeinden umgesetzt.
Organisation Es gibt kein nationales Gesamtprogramm. Jede teilnehmende Gemeinde entwickelt ihr eigenes Verfahren. Auch hier besteht kein bundesweites Programm. Angebot, Auswahl und Bedingungen liegen bei der jeweiligen Gemeinde.
Kaufpreis Je nach Projekt kann der symbolische Ausgangspreis einen Euro oder einen anderen sehr niedrigen Betrag betragen. Der Preis wird für das konkrete kommunale Objekt festgelegt. Bei den derzeit auf 1-Euro-Haus.de vorgestellten Häusern beträgt er jeweils einen Euro.
Eigentümer und Verkauf Eigentumsverhältnisse und Verkaufswege unterscheiden sich. Die Gemeinde organisiert oder begleitet häufig das Verfahren. Die bisher auf 1-Euro-Haus.de vorgestellten Häuser gehören der Gemeinde und werden unmittelbar durch sie verkauft. Künftige Projekte können anders ausgestaltet sein.
Auswahlverfahren Bewerbung, Interessenbekundung, Vergabe oder ein Verfahren mit mehreren Interessenten sind je nach Kommune möglich. Die Gemeinde legt fest, wer sich bewerben kann, welche Unterlagen benötigt werden und wie die Auswahl erfolgt.
Sanierung Sanierung, Zeitplan und gegebenenfalls Sicherheiten können Bestandteil der jeweiligen Projektbedingungen sein. Sanierungsumfang, Fristen, Nutzung und weitere Pflichten werden projektbezogen festgelegt und im Kaufvertrag vereinbart.
Nutzung Hauptwohnsitz, Feriennutzung, Vermietung oder gewerbliche Nutzung können je nach italienischer Gemeinde unterschiedlich behandelt werden. Ob Selbstnutzung oder eine andere dauerhafte Nutzung verlangt wird, entscheidet die zuständige Gemeinde.
Recht und Genehmigungen Es gelten italienisches Kauf-, Steuer- und Baurecht sowie die örtlichen Vorgaben. Es gelten deutsches Kauf-, Steuer- und Baurecht sowie landesrechtliche und kommunale Anforderungen.
Finanzierung und Förderung Deutsche Förderprogramme lassen sich grundsätzlich nicht einfach auf ein Gebäude in Italien übertragen. Italienische Möglichkeiten müssen vor Ort geprüft werden. Fördermöglichkeiten hängen von Gebäude, Maßnahme, Bundesland, Kommune und persönlicher Situation ab und müssen frühzeitig geprüft werden.
Ansprechpartner Verbindliche Informationen kommen von der jeweiligen italienischen Gemeinde oder der im Verfahren genannten Stelle. Verbindliche Informationen, Besichtigungen, Bewerbungen und Verkäufe erfolgen über die jeweils zuständige deutsche Gemeinde.

Diese Gegenüberstellung beschreibt typische Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Sie ersetzt keine Prüfung des jeweiligen kommunalen Angebots. Weder in Italien noch in Deutschland gelten für alle 1-Euro-Häuser dieselben Voraussetzungen. Maßgeblich sind immer die veröffentlichten und vertraglich vereinbarten Bedingungen des konkreten Projekts.

Wie kann der Erwerb eines 1-Euro-Hauses ablaufen?

Der genaue Ablauf wird von der zuständigen Gemeinde bestimmt. Typischerweise sind folgende Schritte sinnvoll:

  1. Lebensplanung prüfen

    Passen Ort, Umfeld, Gebäudegröße und der langfristige Aufwand zur heutigen und zukünftigen Lebenssituation?

  2. Gemeinde kontaktieren

    Verfügbarkeit, Voraussetzungen, vorgesehene Nutzung und Ablauf direkt bei der zuständigen Stelle erfragen.

  3. Besichtigung vereinbaren

    Das Gebäude nur nach Freigabe besichtigen und ausreichend Zeit für eine sorgfältige erste Einschätzung einplanen.

  4. Fachkundige Prüfung veranlassen

    Bausubstanz, Feuchtigkeit, Tragwerk, Dach und technische Anlagen durch geeignete Fachleute untersuchen lassen.

  5. Konzept und Finanzierung entwickeln

    Nutzung, Sanierungsmaßnahmen, Zeitbedarf, Eigenleistungen, Fremdleistungen und finanzielle Reserve realistisch zusammenführen.

  6. Bewerbung einreichen

    Die von der Gemeinde verlangten Angaben und Unterlagen vollständig und nachvollziehbar vorlegen.

  7. Entscheidung und Vertrag abwarten

    Die Gemeinde wählt aus und vereinbart die verbindlichen Bedingungen mit dem ausgewählten Käufer im Kaufvertrag.

  8. Sanierung umsetzen

    Genehmigungen, vertragliche Vorgaben und den vereinbarten Zeitrahmen während der Umsetzung einhalten.

Der eine Euro ist nur der Anfang

Eine seriöse Gesamtschätzung ist erst nach einer fachkundigen Untersuchung des konkreten Gebäudes möglich.

Erwerb

Notar, Grundbuch und gegebenenfalls weitere kaufbezogene Abgaben oder Gebühren.

Untersuchung

Bestandsaufnahme, Gutachten, Schadstoffprüfung und gegebenenfalls zusätzliche Bauteilöffnungen.

Planung

Architektur, Fachplanung, Statik, Energieberatung, Genehmigungen und Ausschreibung.

Gebäudehülle

Dach, Tragwerk, Mauerwerk, Feuchtigkeitsschutz, Fassade, Fenster und Türen.

Haustechnik

Elektrik, Wasser, Abwasser, Heizung, Lüftung und gegebenenfalls neue Hausanschlüsse.

Innenausbau

Böden, Wände, Decken, Treppen, Bäder, Küche und weitere Ausstattungsarbeiten.

Eigenleistung

Kann einzelne Kosten reduzieren, benötigt aber Kenntnisse, Werkzeug, Material und sehr viel Zeit.

Reserve

Bei alten Gebäuden können verdeckte Schäden auftreten. Ein finanzieller und zeitlicher Puffer ist unverzichtbar.

Passt ein 1-Euro-Haus zu mir?

Das Projekt kann passen, wenn …

  • du einen langfristigen Plan für Gebäude und Ort hast,
  • ausreichend Zeit und finanzielle Reserven vorhanden sind,
  • du alte Bausubstanz und mögliche Überraschungen akzeptierst,
  • du frühzeitig Fachleute und Behörden einbeziehst,
  • du kommunale und vertragliche Bedingungen mittragen kannst.

Das Projekt passt eher nicht, wenn …

  • du ein sofort beziehbares und fertiges Haus suchst,
  • deine Kalkulation fast ausschließlich auf Eigenleistung beruht,
  • kein ausreichender finanzieller Puffer vorhanden ist,
  • du eine schnelle Weiterveräußerung erwartest,
  • Ort oder Nutzung nicht zu deiner Lebensplanung passen.

Was bei einem 1-Euro-Haus häufig unterschätzt wird

01

Die Entscheidung beginnt beim Ort

Nicht nur das Haus muss passen. Auch die Lage, das persönliche Umfeld, Arbeitswege, Versorgung und die langfristige Lebensplanung sollten vor einer Bewerbung berücksichtigt werden.

02

Schäden sind nicht immer sofort sichtbar

Feuchtigkeit, Tragwerksprobleme, Schadstoffe oder veraltete Leitungen können erst bei einer fachkundigen Untersuchung erkennbar werden und die Sanierung erheblich beeinflussen.

03

Eigenleistung kostet ebenfalls

Eigene Arbeit kann Kosten reduzieren, benötigt aber handwerkliche Kenntnisse, Material, Werkzeug und viel Zeit. Außerdem dürfen oder sollten bestimmte Arbeiten nur von Fachbetrieben ausgeführt werden.

04

Förderung muss frühzeitig geprüft werden

Mögliche Förderprogramme sind an Voraussetzungen und Abläufe gebunden. Häufig muss ein Antrag gestellt werden, bevor Aufträge vergeben oder Baumaßnahmen begonnen werden.

05

Die Sanierung muss zum Alltag passen

Ein umfangreiches Projekt läuft oft über einen längeren Zeitraum. Beruf, Familie, Finanzierung und die Organisation der Arbeiten müssen sich realistisch miteinander vereinbaren lassen.

Aktuelle 1-Euro-Häuser in Deutschland

Den Auftakt auf 1-Euro-Haus.de bildet Nordhalben im oberfränkischen Landkreis Kronach.

Nordhalben · Bayern

Zwei Wohnhäuser im Eigentum der Gemeinde

Beide Gebäude werden zu einem symbolischen Kaufpreis von jeweils einem Euro angeboten und weisen erheblichen Sanierungsbedarf auf.

1-Euro-Haus.de vermittelt keine Immobilien. Alle verbindlichen Informationen, Besichtigungen, Bewerbungsverfahren, Auswahlentscheidungen und Verkäufe erfolgen über die jeweils zuständige Gemeinde.

Vom Überblick zur konkreten Vorbereitung

Der ausführliche 1-Euro-Haus-Leitfaden

Diese Seite vermittelt die wichtigsten Grundlagen. Unser kostenpflichtiger PDF-Leitfaden geht einen Schritt weiter und unterstützt dich bei der Vorbereitung auf Besichtigung, persönliche Einschätzung, Sanierungsplanung, Finanzierung und Bewerbung.

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Häufige Fragen zum 1-Euro-Haus

Kostet ein 1-Euro-Haus wirklich nur einen Euro?

Der Kaufpreis kann tatsächlich einen Euro betragen. Hinzu kommen jedoch Kaufnebenkosten, Untersuchungs- und Planungskosten sowie vor allem die Kosten der notwendigen Sanierung.

Wer entscheidet über den Verkauf?

Ob, an wen und unter welchen Bedingungen verkauft wird, entscheidet ausschließlich die für das jeweilige Objekt zuständige Gemeinde oder Eigentümerstelle.

Fallen Maklerkosten an?

Wenn eine Gemeinde ihr Objekt unmittelbar und ohne Makler verkauft, fällt keine Maklerprovision an. Welche weiteren Erwerbsnebenkosten entstehen, muss für das konkrete Objekt geprüft werden.

Muss jedes 1-Euro-Haus selbst bewohnt werden?

Nicht jedes kommunale Projekt verwendet dieselben Nutzungsvorgaben. Ob Selbstnutzung, eine andere dauerhafte Nutzung oder weitere Bedingungen verlangt werden, legt die zuständige Gemeinde fest.

Vermittelt 1-Euro-Haus.de die angebotenen Häuser?

Nein. 1-Euro-Haus.de ist ein unabhängiges Informationsportal und weder Immobilienmakler noch Verkäufer. Verbindliche Auskünfte, Besichtigungen, Bewerbungen, Auswahlentscheidungen und Verkäufe erfolgen über die zuständige Gemeinde.

Redaktionell verantwortlich: Jürgen Klausmann · Stand: 11. September 2026